Wilhelm Hauff Lion Feuchtwanger Veit Harlan

Jüdische Litteratur in Deutschland

Jud SüßJud Süß

Wir erinnern mit dieser literarischen Veranstaltungsreihe an 1700 Jahre jüdisches Leben auf deutschem Boden. Grundlage ist ein Dekret des römischen Kaisers Konstantin von 321, das in späteren Abschriften in der Bodmeriana in Genf und im Vatikan überliefert ist. Das Schreiben an die "decurionibus Agrippiniensibus", die Stadtväter Kölns, beweist, dass es spätestens seit Beginn des 4. Jahrhunderts Menschen jüdischen Glaubens in Köln und damit wohl auch andernorts im nördlichen Westeuropa gegeben haben muss:
"Durch reichsweit gültiges Gesetz erlauben wir allen Stadträten, dass Juden in den Stadtrat berufen werden. Damit ihnen [den Juden] selbst aber etwas an Trost verbleibe für die bisherige Regelung, so gestatten wir, dass je zwei oder drei [...] aufgrund dauernder Privilegierung mit keinen [solchen] Berufungen belastet werden." Übersetzung Karl Leo Noethlichs.
Die Jahrhunderte jüdischen Lebens auf deutschem Boden sind auch Jahrhunderte der Diskriminierung, der erzwungenen Anpassung, die sich in Themen und Personen widerspiegeln, die in der deutschsprachigen Litteratur in Erscheinung treten.

Wilhelm Hauff Lion Feuchtwanger Veit Harlan
Jud Süß (Joseph Süß Oppenheimer - hingerichtet am 4. Februar 1738)
Der absolutistisch regierende Karl Alexander von Württemberg herrschte nur vier Jahre (1733-37) als zum Katholizismus Konvertierter über eine fast vollständig protestantische Bevölkerung und setzte als wichtigsten Berater und Finanzrat den Juden Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer - kurz Joseph Süß Oppenheimer oder diffamierend Jud Süß genannt - ein. In der kurzen Zeit baute Oppenheimer das veraltete Finanzsystems des Herzogtums um: er gründete die erste Württembergische Bank, erließ Steuern (auch für Beamten), gründete die heute noch existierende Porzellanmanufaktur, führte spezielle Lotterien ein etc., und sanierte durch die vielfältigen Reformen mit einer modernen Finanzverwaltung den württembergischen Staatshaushalt. Unmittelbar nach dem überraschenden Tod des Herzogs wurde Joseph Süßkind Oppenheimer unter Hausarrest gestellt, zuletzt auf dem Hohenasperg eingekerkert und in einem Geheimprozess - mit Anschuldigung von Hochverrat über Majestätsbeleidung und Plünderung der Staatskassen bis hin zur Verächtlichmachung der christlichen Religion und sexuellen Ausschweifungen mit Christinnen - schlussendlich zum Tod verurteilt. Nach der Hinrichtung blieb sein Leichnam 6 Jahre in einem roten eisernen Kasten auf dem Stuttgarter Galgenberg aufgehängt. Ein Justizskandal, der zwar als solcher bekannt war, dessen das ganze Ausmaß an Infamie und Justizverdreherei zeigende Akten erst im 21.Jahunderts gelüftet wurden.
Der Prozess und seine Umstände im 18. Jahrhundert, die Novelle von Wilhelm Hauff 1837 sowie das Theaterstück und der Roman des Münchner Juden Lion Feuchtwangers in der Weimarer Republik sowie der Nazi-Propagandafilm von Veit Harlan als berühmteste Bearbeitungen des "Jud-Süß-"Stoffes lassen tief in den christlich-jüdischen Konflikt und die Ausprägung des latent vorhandenen Antisemitismus in Deutschland schauen.

Die Veranstaltungsreihe findet online über das System VHS.Cloud statt. Sie erhalten von uns rechtzeitig vor Beginn die Zugangsdaten. Zusätzlich zur Videoübertragung an den benannten Tagen stellen wir Ihnen dort weitere spannende Unterlagen zur Verfügung.


Status: Anmeldung möglich

Kursnr.: 2105

Beginn: Do., 20.01.2022, 19:00 - 21:15 Uhr

Dauer: 1 Termin

Kursort: online

Gebühr: 12,00 € Bei Buchung der 5 Termine zur jüdischen Litteratur ermäßigt sich der Kurspreis auf insgesamt 48 Euro.

Besondere Hinweise: online


Dozent(en):


Datum
20.01.2022
Uhrzeit
19:00 - 21:15 Uhr
Ort
online




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